Notiz

Dr hinterfotzige Eisele – ein Matrixsykophant

Ein schwäbisches Verwaltungsgespräch zwischen Herrn Nägele, Herrn Wurster und einem strategisch beweglichen Käpsele

4 Min. Lesezeit899 Wörter

Nägele:
Sie, Wurster, warum bruddlet Sie heut scho wieder so?

Wurster:
Wega dem Eisele. Der isch mir net ganz gheuer.

Nägele:
Wieso denn? Des isch doch an feiner, schaffiger ond kooperativer Mensch.

Wurster:
Eba. A bissle z’kooperativ.

Nägele:
Wie kann mr denn z’kooperativ sei?

Wurster:
Wenn oiner immer scho zustimmt, bevor dr andere überhaupt woiss, was er saga will.

Eisele:
Also, dem würd i grundsätzlich zustimma.

Wurster:
Sehet Se!

Nägele:
I seh bloss an engagierta Mitarbeiter.

Wurster:
Noi, Nägele. Des isch an Knitza.

Eisele:
A Knitza?

Wurster:
Ha jo. Sie send net bloss gscheit. Sie wisset au immer ganz genau, bei wem sich’s lohnt, gscheit z’sei.

Eisele:
Des tät i jetzt als ausgeprägte Stakeholderorientierung bezeichna.

Wurster:
Eba. Knitz. A ganz ausgschlafenes Käpsele.

Nägele:
Sie müsset net glei so argwöhnisch sei.

Wurster:
I bin net argwöhnisch. I pass bloss auf, wenn oiner sein Fähnle scho in dr Hand hält, bevor überhaupt an Wind goht.

Nägele:
Aber dr Eisele schafft doch Brücken zwischen de Bereiche.

Wurster:
Brücken? Der baut koi Brücken. Der stellt sich mit oim Fuss auf jede Seit ond wartet, wo’s Buffet eröffnet wird.

Eisele:
I versuch halt, unterschiedliche Perspektiva z’integriera.

Wurster:
Sie integriert vor allem sich selber. Ond zwar überall dort, wo nachher dr Name im Protokoll steht.

Nägele:
Des isch doch a bissle schofel formuliert.

Wurster:
I bin net schofel. I bin vorsichtig. So an Schlawiner hot schneller an Projektauftrag, als mir „Ressourcenmangel“ saga könnet.

Eisele:
Des klingt mir jetzt doch sehr nach persönlichem Widerstand.

Wurster:
Ha noi. Persönlich wär’s, wenn i saga tät, Sie wäret an windiger Gschaftlhuber. I sag aber bloss, Sie schaffet net viel ond kommet trotzdem überall vor. Des isch a sachliche Feststellung.

Nägele:
Wurster!

Wurster:
Ha was? Mir Schwoba lobet halt ersch, wenn sich ebbes verhebt.

Eisele:
Aber irgendwann muss mr au Vertrauen schenke.

Wurster:
Freilich. Aber net jedem Gscheidle, bloss weil’s „Transformation“ fehlerfrei aussprecha ka.

Frau Maier kommt herein.

Maier:
Dr Eisele hot mir heut früh erklärt, mir müsset trotz Personalmangel des neue Projekt übernehma.

Wurster:
Hot er au mitgschafft?

Maier:
Noi.

Wurster:
Dann war’s koi Erklärung. Dann war’s Gschwätz.

Eisele:
I han bloss versucht, die vorhandene Widerstände produktiv umzudeuta.

Wurster:
Sie hend aus am Nein a Ja gmacht, ohne dass sich an dr Wirklichkeit au bloss a Muggaseggele geändert hot.

Eisele:
Des nennt mr kommunikative Transformation.

Wurster:
Früher hot mr „Bscheisserle“ dazu gsagt.

Nägele:
Herr Wurster!

Wurster:
Ha was? Wenn mr em alte Bscheisserle an englische Nama gibt, wird’s doch net plötzlich Wissenschaft.

Maier:
I han ihm gsagt, dass mir drei Stelle fehlet.

Eisele:
Ond i han vorgeschlaga, des net defizitorientiert zu kommuniziera.

Wurster:
Wie denn sonscht?

Eisele:
Als drei personelle Entwicklungspotenziale.

Wurster:
Hano! Drei leere Stühl, ond scho macht des Käpsele a Personalentwicklung draus.

Maier:
Ond wenn des Projekt schiefgoht, bin i verantwortlich.

Wurster:
Des isch ja dr Trick. Dr Eisele denkt’s, dr Nägele lenkt’s, Sie schaffet’s – ond wenn’s net verhebt, hend Sie’s verhudelt.

Eisele:
Des isch jetzt aber sehr vereinfachend.

Wurster:
Freilich. Wenn mr lang gnug vereinfacht, versteht mr manchmal sogar, was ihr da oben mauschelt.

Eisele:
I find, mir sollet jetzt net so viel bruddla, sondern konstruktiv nach vorne schaue.

Wurster:
Sie schauet doch bloss nach oba.

Eisele:
Wie meinet Se des?

Wurster:
Beim normale Mensch gucket d’Augen gradaus. Bei Ihna send se hierarchisch montiert.

Nägele:
Also, des geht jetzt z’weit.

Wurster:
Noi, des geht ziemlich weit. Bis direkt nauf zur Direktion.

Eisele:
I pfleg halt d’vertikale Vernetzung.

Wurster:
Ha jo. Früher isch so oiner d’Treppe naufgschleimt. Heut vernetzt er sich vertikal.

Eisele:
Sie machet aus jeder professionella Beziehung gleich a Gschmäckle.

Wurster:
I mach des Gschmäckle net. I merk’s bloss. Dafür braucht mr koi Strategiepapier, bloss a Nas.

Nägele:
Trotzdem: Dr Eisele isch für ons a echtes Käpsele. Net so an behäbiger Bedenkaträger, sondern beweglich, aufgeweckt und pfiffig.

Wurster:
A Käpsele vielleicht. Aber oins mit eingebauter Wetterfahne.

Eisele:
I bin flexibel.

Wurster:
Sie send so flexibel, Sie könnet gleichzeitig zwei Meinunga vertreta – solang beide von Vorgesetzte kommet.

Eisele:
Des isch Matrixkompetenz.

Wurster:
Des isch koi Kompetenz. Des isch Kungla mit Fortbildung.

Nägele:
Jetzt höret Se aber auf mit dem Genörgel!

Wurster:
Bruddla, Nägele. Des heisst bruddla. Genörgelt wird im Norden. Bei ons wird bruddelt, ond nachher wird trotzdem gschafft.

Eisele:
I tät vorschlaga, mir machet zu dem Thema an Workshop.

Wurster:
Natürlich.

Eisele:
Titel: „Vom Bruddler zum Möglichmacher“.

Wurster:
Ond wer hält den Workshop?

Eisele:
I könnt mir vorstella, die Moderation zu übernehma.

Wurster:
Des glaub i. Beim Schaffa hend Sie zwoi linke Händ, aber beim Moderiera send Sie geschwind wie an Wiesel.

Nägele:
Jetzt send Sie aber ungerecht.

Wurster:
Noi. I kenn bloss meine Pappenheimer. Dr Eisele isch saumässig knitz.

Eisele:
Danke.

Wurster:
Des war koi Lob.

Eisele:
I weiss. Aber falls dr Herr Nägele’s andersch verstanden hot, möcht i net widersprecha.

Wurster:
Sehet Se, Nägele: So macht des der. Koi Rückgrat, aber an hervorragenda Gleichgewichtssinn.

Nägele:
Vielleicht isch des in dr Matrix wichtiger.

Wurster:
Freilich. A Rückgrat stört bloss, wenn mr sich gleichzeitig in drei Richtunga verbeuga muss.

Kurze Stille. Eisele schreibt etwas in sein Notizbuch.

Wurster:
Was schreibet Sie jetzt?

Eisele:
„Herr Wurster erkennt die hohe Bedeutung von Flexibilität in komplexen Führungsstrukturen.“

Wurster:
Ha noi! Jetzt verdrehet der mir au no mei Gebruddel in Zustimmung!

Eisele:
I mach’s bloss anschlussfähig.

Wurster:
Saumässig knitz.

Eisele:
Danke.

Wurster:
Lasset’s. Bei Ihna kommt selbst a Tritt in dr Hintern no als Rückenwind ins Protokoll.