Nägele:
Sie, Wurster, warum bruddlet Sie heut scho wieder so?
Wurster:
Wega dem Eisele. Der isch mir net ganz gheuer.
Nägele:
Wieso denn? Des isch doch an feiner, schaffiger ond kooperativer Mensch.
Wurster:
Eba. A bissle z’kooperativ.
Nägele:
Wie kann mr denn z’kooperativ sei?
Wurster:
Wenn oiner immer scho zustimmt, bevor dr andere überhaupt woiss, was er saga will.
Eisele:
Also, dem würd i grundsätzlich zustimma.
Wurster:
Sehet Se!
Nägele:
I seh bloss an engagierta Mitarbeiter.
Wurster:
Noi, Nägele. Des isch an Knitza.
Eisele:
A Knitza?
Wurster:
Ha jo. Sie send net bloss gscheit. Sie wisset au immer ganz genau, bei wem sich’s lohnt, gscheit z’sei.
Eisele:
Des tät i jetzt als ausgeprägte Stakeholderorientierung bezeichna.
Wurster:
Eba. Knitz. A ganz ausgschlafenes Käpsele.
Nägele:
Sie müsset net glei so argwöhnisch sei.
Wurster:
I bin net argwöhnisch. I pass bloss auf, wenn oiner sein Fähnle scho in dr Hand hält, bevor überhaupt an Wind goht.
Nägele:
Aber dr Eisele schafft doch Brücken zwischen de Bereiche.
Wurster:
Brücken? Der baut koi Brücken. Der stellt sich mit oim Fuss auf jede Seit ond wartet, wo’s Buffet eröffnet wird.
Eisele:
I versuch halt, unterschiedliche Perspektiva z’integriera.
Wurster:
Sie integriert vor allem sich selber. Ond zwar überall dort, wo nachher dr Name im Protokoll steht.
Nägele:
Des isch doch a bissle schofel formuliert.
Wurster:
I bin net schofel. I bin vorsichtig. So an Schlawiner hot schneller an Projektauftrag, als mir „Ressourcenmangel“ saga könnet.
Eisele:
Des klingt mir jetzt doch sehr nach persönlichem Widerstand.
Wurster:
Ha noi. Persönlich wär’s, wenn i saga tät, Sie wäret an windiger Gschaftlhuber. I sag aber bloss, Sie schaffet net viel ond kommet trotzdem überall vor. Des isch a sachliche Feststellung.
Nägele:
Wurster!
Wurster:
Ha was? Mir Schwoba lobet halt ersch, wenn sich ebbes verhebt.
Eisele:
Aber irgendwann muss mr au Vertrauen schenke.
Wurster:
Freilich. Aber net jedem Gscheidle, bloss weil’s „Transformation“ fehlerfrei aussprecha ka.
Frau Maier kommt herein.
Maier:
Dr Eisele hot mir heut früh erklärt, mir müsset trotz Personalmangel des neue Projekt übernehma.
Wurster:
Hot er au mitgschafft?
Maier:
Noi.
Wurster:
Dann war’s koi Erklärung. Dann war’s Gschwätz.
Eisele:
I han bloss versucht, die vorhandene Widerstände produktiv umzudeuta.
Wurster:
Sie hend aus am Nein a Ja gmacht, ohne dass sich an dr Wirklichkeit au bloss a Muggaseggele geändert hot.
Eisele:
Des nennt mr kommunikative Transformation.
Wurster:
Früher hot mr „Bscheisserle“ dazu gsagt.
Nägele:
Herr Wurster!
Wurster:
Ha was? Wenn mr em alte Bscheisserle an englische Nama gibt, wird’s doch net plötzlich Wissenschaft.
Maier:
I han ihm gsagt, dass mir drei Stelle fehlet.
Eisele:
Ond i han vorgeschlaga, des net defizitorientiert zu kommuniziera.
Wurster:
Wie denn sonscht?
Eisele:
Als drei personelle Entwicklungspotenziale.
Wurster:
Hano! Drei leere Stühl, ond scho macht des Käpsele a Personalentwicklung draus.
Maier:
Ond wenn des Projekt schiefgoht, bin i verantwortlich.
Wurster:
Des isch ja dr Trick. Dr Eisele denkt’s, dr Nägele lenkt’s, Sie schaffet’s – ond wenn’s net verhebt, hend Sie’s verhudelt.
Eisele:
Des isch jetzt aber sehr vereinfachend.
Wurster:
Freilich. Wenn mr lang gnug vereinfacht, versteht mr manchmal sogar, was ihr da oben mauschelt.
Eisele:
I find, mir sollet jetzt net so viel bruddla, sondern konstruktiv nach vorne schaue.
Wurster:
Sie schauet doch bloss nach oba.
Eisele:
Wie meinet Se des?
Wurster:
Beim normale Mensch gucket d’Augen gradaus. Bei Ihna send se hierarchisch montiert.
Nägele:
Also, des geht jetzt z’weit.
Wurster:
Noi, des geht ziemlich weit. Bis direkt nauf zur Direktion.
Eisele:
I pfleg halt d’vertikale Vernetzung.
Wurster:
Ha jo. Früher isch so oiner d’Treppe naufgschleimt. Heut vernetzt er sich vertikal.
Eisele:
Sie machet aus jeder professionella Beziehung gleich a Gschmäckle.
Wurster:
I mach des Gschmäckle net. I merk’s bloss. Dafür braucht mr koi Strategiepapier, bloss a Nas.
Nägele:
Trotzdem: Dr Eisele isch für ons a echtes Käpsele. Net so an behäbiger Bedenkaträger, sondern beweglich, aufgeweckt und pfiffig.
Wurster:
A Käpsele vielleicht. Aber oins mit eingebauter Wetterfahne.
Eisele:
I bin flexibel.
Wurster:
Sie send so flexibel, Sie könnet gleichzeitig zwei Meinunga vertreta – solang beide von Vorgesetzte kommet.
Eisele:
Des isch Matrixkompetenz.
Wurster:
Des isch koi Kompetenz. Des isch Kungla mit Fortbildung.
Nägele:
Jetzt höret Se aber auf mit dem Genörgel!
Wurster:
Bruddla, Nägele. Des heisst bruddla. Genörgelt wird im Norden. Bei ons wird bruddelt, ond nachher wird trotzdem gschafft.
Eisele:
I tät vorschlaga, mir machet zu dem Thema an Workshop.
Wurster:
Natürlich.
Eisele:
Titel: „Vom Bruddler zum Möglichmacher“.
Wurster:
Ond wer hält den Workshop?
Eisele:
I könnt mir vorstella, die Moderation zu übernehma.
Wurster:
Des glaub i. Beim Schaffa hend Sie zwoi linke Händ, aber beim Moderiera send Sie geschwind wie an Wiesel.
Nägele:
Jetzt send Sie aber ungerecht.
Wurster:
Noi. I kenn bloss meine Pappenheimer. Dr Eisele isch saumässig knitz.
Eisele:
Danke.
Wurster:
Des war koi Lob.
Eisele:
I weiss. Aber falls dr Herr Nägele’s andersch verstanden hot, möcht i net widersprecha.
Wurster:
Sehet Se, Nägele: So macht des der. Koi Rückgrat, aber an hervorragenda Gleichgewichtssinn.
Nägele:
Vielleicht isch des in dr Matrix wichtiger.
Wurster:
Freilich. A Rückgrat stört bloss, wenn mr sich gleichzeitig in drei Richtunga verbeuga muss.
Kurze Stille. Eisele schreibt etwas in sein Notizbuch.
Wurster:
Was schreibet Sie jetzt?
Eisele:
„Herr Wurster erkennt die hohe Bedeutung von Flexibilität in komplexen Führungsstrukturen.“
Wurster:
Ha noi! Jetzt verdrehet der mir au no mei Gebruddel in Zustimmung!
Eisele:
I mach’s bloss anschlussfähig.
Wurster:
Saumässig knitz.
Eisele:
Danke.
Wurster:
Lasset’s. Bei Ihna kommt selbst a Tritt in dr Hintern no als Rückenwind ins Protokoll.