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  1. Erzählung30.08.2026Die Geburt des Ichs und sein blaues AugeKant: Ohne Ich keine Erfahrung Fichte: Ohne Ich keine Welt Hegel: Ohne Prozess kein Ich4 Min. Lesezeit
  2. Kommentar27.08.2026Die moderne Klinik als Simulakrum medizinischer RationalitätDie moderne Klinik erscheint sauber, steril, rational. Sie organisiert, dokumentiert, kontrolliert. Und sie tut das alles im Namen der Medizin. Aber was, wenn das, was sie tut, längst nicht mehr Medizin ist – sondern nur noch deren Abbild? Was, wenn wir uns in einer perfekt simulierten Welt bewegen, in der alles wie Heilung aussieht, ohne es noch zu sein?2 Min. Lesezeit
  3. Essay22.08.2026Vom UnterlassenUnterlassen wir bewusst, weil wir besser urteilen – oder unterlassen wir unbewusst, weil wir weniger leisten können?25 Min. Lesezeit
  4. Notiz22.08.2026Derselbe, aber nicht der GleicheEin Mensch erleidet einen Schlaganfall. Gestern ging er noch selbständig, sprach ohne Mühe und schenkte sich Kaffee ein. Heute gehorcht ihm die Hand nicht mehr, das Wort bleibt stecken, und für den Weg zum Fenster braucht er Hilfe. „Er ist nicht mehr der Gleiche“, sagen die Angehörigen. Sie haben recht. Seine Fähigkeiten, seine Bewegungen und sein Verhältnis zur Welt haben sich verändert. Doch er ist noch immer derselbe Mensch.5 Min. Lesezeit
  5. Notiz16.08.2026Dr hinterfotzige Eisele – ein Matrixsykophant4 Min. Lesezeit
  6. Essay16.08.2026Die epistemische romantische IronieDie Wissenschaft hat eine eigentümliche Neigung: Je erfolgreicher ihre Begriffe werden, desto leichter vergisst sie, dass es Begriffe sind. Was gestern noch Modell hiess, tritt morgen als Wirklichkeit auf. Das Gehirn „verarbeitet Informationen“, es „berechnet Vorhersagefehler“, es „konstruiert Realität“. Solche Sätze können empirisch hervorragend begründet sein. Und doch enthalten sie mehr als Messergebnisse. Sie enthalten eine bestimmte Weise, das Gehirn zu denken. Gerade der Erfolg einer Theorie kann diese Differenz unsichtbar machen. Hier könnte eine alte Denkfigur überraschend nützlich werden: die romantische Ironie Friedrich Schlegels. Nicht als Spott über Wissenschaft und schon gar nicht als Einladung zum Relativismus. Sondern als epistemische Haltung: Eine Bestimmung ernst nehmen und zugleich wissen, dass sie eine Bestimmung ist.7 Min. Lesezeit
  7. Erzählung16.08.2026Derselbe, aber nicht der GleicheEin Mensch erleidet einen Schlaganfall. Er kann nicht mehr gehen wie zuvor, nicht mehr sprechen, wie er gesprochen hat, vielleicht nicht einmal mehr auf dieselbe Weise fühlen, planen oder sich erinnern. Seine Bewegungen sind andere geworden, seine Stimme klingt fremd, und in seinem eigenen Körper findet er sich nicht mehr selbstverständlich zurecht. Seine Angehörigen stehen am Bett und sagen einen Satz, der ebenso verständlich wie erschreckend ist: „Er ist nicht mehr der Gleiche.“ Sie haben recht. Und sie haben unrecht. Er ist tatsächlich nicht mehr der Gleiche. Aber er ist noch immer derselbe. In dieser kleinen grammatischen Unterscheidung liegt beinahe die ganze Philosophie der Rehabilitation.9 Min. Lesezeit
  8. Essay16.08.2026ÖkonoexistenzialismusZuerst rechnet der Mensch mit dem Geld. Dann rechnet das Geld in ihm. Begriffe wie Kapital, Investition, Rendite, Laufzeit und Fälligkeit bezeichnen längst nicht mehr nur wirtschaftliche Vorgänge. Sie prägen auch, wie wir unsere Fähigkeiten entwickeln, unsere Beziehungen beurteilen und über die Zukunft verfügen. Wir investieren in Bildung, verwalten unsere Kräfte, erwarten einen Ertrag von Erfahrungen und sprechen sogar vom „Zeitbudget“. Diese Rückwirkung ökonomischer Kategorien auf das menschliche Selbstverhältnis soll hier Ökonoexistenzialismus heissen. Er beginnt dort, wo der Mensch nicht mehr nur wirtschaftlich handelt, sondern seine Existenz nach den Denkformen des Geldes auslegt. Im Folgenden geht es um eine besonders folgenreiche dieser Denkformen: den Zins. Er verbindet Geld und Zeit, Gegenwart und Zukunft, Verzicht und Erwartung. Wer Zinsen verlangt, bewertet die Dauer. Wer einen zukünftigen Betrag abzinst, übersetzt Zukunft in Gegenwartswert. Überträgt man diese Logik auf das menschliche Leben, entstehen zwei finanzexistenzielle Kuriositäten. Die erste ist ein Irrtum: Wir zinsen unsere Möglichkeiten ab, als würden sie später sicher ausgezahlt. Die zweite bezeichnet eine tiefere Wahrheit: Während wir warten, verzinst die Natur unser Leben. Wir zahlen mit Zeit, Kraft und Erinnerung.9 Min. Lesezeit
  9. Erzählung16.08.2026Die Geschichte von den vier Palästen des KalifenEs gibt Häuser, die man errichtet, und Häuser, die erst durch das entstehen, was Menschen in ihnen tun. Ein Krankenhaus gehört zu beiden Arten. Seine Mauern lassen sich vermessen, seine Betten zählen, seine Ausgaben berechnen. Und doch entscheidet sich sein Wesen an etwas, das in keiner Spalte Platz findet: ob der Kranke darin behandelt wird – oder ob er, während alle ihn behandeln, als Mensch verschwindet. Davon erzählt die Geschichte der vier Paläste des Kalifen.9 Min. Lesezeit
  10. Notiz15.08.2026Gödel’s Unschärfe, Occam’s Rasiermesser und der hilfreiche blinde FleckJedes System beginnt mit einer Unschärfe: Die Wirklichkeit ist vielgestaltiger als die Begriffe, mit denen wir sie ordnen, und beweglicher als die Regeln, mit denen wir sie festhalten wollen. Darauf antwortet das Rasiermesser. Es entfernt jene zusätzlichen Vorschriften, Ausnahmen und Hilfskonstruktionen, die das Unbestimmte nicht klären, sondern nur überwuchern. Am Ende bleibt der hilfreiche blinde Fleck: das bewusste Eingeständnis, dass kein System alles sehen, messen und aus sich selbst entscheiden kann. Die Unschärfe bezeichnet somit die Grenze der Erkenntnis, das Rasiermesser die Kunst der Begrenzung und der hilfreiche blinde Fleck die institutionelle Bescheidenheit, aus der Urteilskraft erst entstehen kann.13 Min. Lesezeit
  11. Erzählung15.08.2026Die Reise zu den FaktolitenDie Geschichte schreibt keine Kapitel. Sie schreibt Palimpseste. Sie trägt auf, sie schabt ab, sie überschreibt; und wo später ein sauberer Satz steht, hat früher vielleicht eine gefährliche Wahrheit gelegen. Meist ist sie nicht widerlegt worden. Man hat sie nur unleserlich gemacht.14 Min. Lesezeit
  12. Kommentar15.08.2026Das RehabilitationslochDer ‹Access Block› zwischen Akutmedizin und Rehabilitation entsteht nicht einfach, weil irgendwo ein Bett fehlt. Er entsteht, weil zwei medizinische Logiken, mehrere Berufsgruppen und zahlreiche Zuständigkeiten im richtigen Augenblick zusammenfinden müssen. Innerhalb eines gemeinsamen Spitals können klinische Führung und Management den Übergang noch gemeinsam bahnen. Wird die Rehabilitation jedoch privatisiert, endet die eine Strecke an der Eigentumsgrenze und die andere beginnt jenseits davon. Der Patient braucht dann nicht mehr nur einen klinischen Anschluss, sondern einen ausgehandelten.11 Min. Lesezeit
  13. Kommentar11.08.2026Die Normannen: Macht ohne DogmaEs gibt Reiche, die auf Ideen beruhen. Und es gibt solche, die aus ihnen hervorgehen. Die Normannen gehören zu keiner dieser Kategorien. Sie sind ein Sonderfall: eine Macht, die sich nicht aus einer Idee speist, sondern aus der Fähigkeit, auf Ideen zu verzichten.3 Min. Lesezeit
  14. Essay10.08.2026Vom Verlust der Welt und der Wiederentdeckung des DazwischenDie neuzeitliche Philosophie lässt sich als eine eigentümliche Wanderung beschreiben. Sie beginnt mit einer scheinbar einfachen Frage: Was kann ich mit Gewissheit wissen? Und sie endet, zumindest vorläufig, mit einer ganz anderen Frage: Was bedeutet es überhaupt, in einer Welt zu sein? Mit dieser Wanderung verändert sich nicht nur das Verständnis des Bewusstseins. Es verändert sich auch die Stellung des Menschen zur Wirklichkeit.4 Min. Lesezeit